Die Fakten

Am 14. April 2014 gegen 23.00 Uhr Ortszeit gingen bei der lokalen Verwaltung von Chibok erste Warnungen ein: Rund 200 bewaffnete Männer seien auf 20 Pickup-Trucks und 30 Motorrädern auf dem Weg in die Stadt im Nordosten des Landes. Die 15 vor Ort stationierten Soldaten wurden alarmiert. Zwei Stunden später hätten die Angreifer die Stadt erreicht und die Soldaten in die Flucht geschlagen, einer sei bei den Gefechten getötet worden, sagte ein lokaler Offizieller der Nachrichtenagentur AP.

Im Morgengrauen tauchten die Männer dann vor der weiterführenden Schule (Government Secondary School) in Chibok auf und transportierten Hunderte Geiseln auf Pickups ab. Die meisten Schülerinnen kommen aus christlichen Familien, viele aber auch aus muslimischen. Unabhängig von der Religion: Sie alle wollten lernen, um Lehrerin, Anwältin oder Medizinerin zu werden.


Der Chef der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram, Abubakar Shekau, erklärte in einem Bekennervideo, seine Organisation sei für den Angriff verantwortlich. Er behauptete, er werde die Mädchen verheiraten oder als Sklavinnen verkaufen. Er habe "einen Markt für sie". Mädchen seien bereits im Alter von neun oder zehn Jahren reif genug, um sie zu verkaufen, Sklaverei sei in seiner Religion zudem erlaubt, behauptete Shekau weiter.

Boko Haram kämpft für einen islamistischen Gottesstaat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias und verübt regelmäßig Anschläge auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Schulen und Kirchen. Tausende Menschen wurden bei Angriffen getötet. Der Name der Gruppe bedeutet in einem örtlichen Dialekt "Westliche Bildung ist eine Sünde". Die Mitglieder sehen sich selbst als "Nigerianische Taliban".


Boko Haram wurde 2002 gegründet und sorgt seit 2004 durch terroristische Aktivitäten für Aufmerksamkeit. Hildegard Behrendt-Kigozi von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Abuja erklärte im Deutschlandfunk, Boko Haram sei in den vergangenen Jahren nicht nur aus ideologischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen stärker geworden.

Die Gruppe habe es leicht, junge Fanatiker zu rekrutieren, sagte Harouna Yerima, Professor aus der Sektenhochburg Maiduguri, gegenüber der ARD. Das Phänomen sei auch ein Offenbarungseid der Politiker. "Die Armut hat sich tief in die Gesellschaft hineingefressen. Viele Menschen haben keine Arbeit, können weder lesen, noch schreiben, und die Korruption ist einfach atemberaubend. Insgesamt ist die Lage so schlimm, dass es mich nicht wundert, dass solche Gruppen entstehen und Zulauf haben." Es heißt zudem, Boko Haram habe sogar Kontakte zu Politikern, die den Terror für eigene Machtspiele nutzten.

Jacob Zenn von der "Jamestown Foundation" betonte zudem in der BBC, Boko Haram setze insbesondere auf die Entführung von Mädchen und Frauen, seitdem die nigerianische Regierung die Frauen und Kinder von Boko-Haram-Mitgliedern - bzw. sogar vom Anführer Shekau - gefangen genommen hätte. In einer Videobotschaft warnte der Chef der Terrorgruppe kurz darauf: "Ihr habt unsere Frauen gefangen genommen. Jetzt wartet nur ab, was mit Euren eigenen Frauen passieren wird."

Es sei allerdings nicht das erste Mal, dass Boko Haram junge Frauen kidnappe - jedoch seien es noch nie so viele gewesen, sagte die Vorsitzende der nigerianischen Frauenvereinigung FIDA, Ladi Madaki, laut dpa. Zudem sind die meisten Entführten Christen.

(Quelle: www.tagesschau.de)


 

 
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